Frei reden vor Publikum

(Vertrieb und Marketing)

Es geht das Gerücht, die Angst, eine Rede zu halten sei für manche Menschen schrecklicher als die Angst vor dem Tod. Tatsache ist dagegen, dass einem bei manchem Vortrag das Gefühl anspringt: Wäre ich bereits gestorben, würde ich mich jetzt im Grabe umdrehen. Starke Beispiele für schwache Reden liefern unsere Spitzenpolitiker. Fast möchte man sich bekreuzigen, wenn Edmund oder Horst den Mund aufmachen. Lässig dagegen wirkt es, wenn zum Beispiel Tony Blair ans Rednerpult tritt und seinen Hut in den Ring wirft. Heute gibt Tony seine Amtsgeschäfte ab, doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sein Amtsnachfolger ebenfalls passabel zu seinem Publikum sprechen wird.

Warum ist das so? Vielleicht haben das Reden und das Debattieren in den angelsächsischen Ländern einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Ein gutes Beispiel dafür sind die Toastmasters. Diese gemeinnützige Organisation wurde bereits 1924 gegründet und hat weltweit über 200.000 Mitglieder, die sich in mehr als 10.000 Clubs regelmäßig treffen, um das Reden vor Publikum zu üben. Außerhalb Deutschland ist es eine Ehre, Mitglied bei den Toastmasters zu sein. In unserem Land haben die englischsprachigen Clubs durchaus Zulauf von fast allen Nationalitäten, doch von vergleichsweise wenigen Deutschen.

Bei genauem Hinsehen sind auch die Parallelen zwischen den Reden deutscher Politiker und den Ansprachen deutscher Firmenlenker offensichtlich: Was da bei Jahreshauptversammlungen zusammengestammelt wird, ist vor allem dann peinlich, wenn es auch noch Wort für Wort vom Blatt abgelesen wird.

“Wer nicht lächeln kann, soll kein Geschäft aufmachen.”, heißt es in einem chinesischen Sprichwort. Wer nicht reden kann, auch nicht, meine ich. Wäre es nicht geschickter, Führungskräften das Reden beizubringen statt Mitarbeiter mit externen Motivationstrainern auf Trab bringen zu wollen? Eine überzeugende Rede kann begeistern und motivieren. Ein souveräner Auftritt ist Imagewerbung pur: für den Redner, die Abteilung und das ganze Unternehmen. Besonders Großunternehmen, die durchaus großzügig Fitnessstudios und Salatbars für ihre Mitarbeiter einrichten, könnten sich einen firmeneigenen Redeclub locker leisten.

Die gute Nachricht: Reden kann jeder, wenn er nur will. Gerade wer felsenfest glaubt, nicht Reden zu können, sollte einfach damit anfangen. Die schlechte Nachricht: Von nichts kommt nichts, sagt der Volksmund und hat damit in puncto Reden recht: Reden lernt man durchs Reden. Auch das beste und teuerste Rhetorik-Seminar verpufft, wenn das dort Gelernte nicht ausprobiert und immer wieder geübt wird. Zum Beispiel unter Gleichgesinnten, die sich ebenfalls schwer damit tun, ihr Lampenfieber zu überwinden, aufzustehen und eine Rede zu halten, ohne dabei jeden Satz vom Blatt abzulesen.

Mein Tipp: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Bereits Walt Disney - übrigens ein begnadeter Redner - hat einmal gesagt: “The Way To Get Started Is to Quit Talking And Begin Doing.” Ersetzen Sie das Wort “Doing” einfach durch das Wort “Speaking” (Reden halten), buchen Sie einen Rhetorik-Kurs oder besuchen Sie einen Toastmasters-Club in Ihrer Nähe. Für diesen Tipp werden Sie mir irgendwann später die Hand schütteln wollen.

Weitere Infos zum Thema finden Sie ‘hier’:

- www.toastmasters.org
- www.munich-toastmasters.de
- www.tomkischkel.de

Artikel von: www.artikel4free.com

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